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Freitag, 14. Dezember 2018

Baudenkmal Freskenhof

Rettung anno 1969-70

Der FRES­KEN­HOF (ehe­mals be­nannt auch als Rus­sen­haus oder Bür­ger­mei­ster­haus) -  einst von kunstsinnigen Edelleuten an­no 1762 - als Wohn­sitz und Zeugnis eines be­son­ders er­folg­rei­chen Geschäfts­le­bens - er­baut, ist ein einzigartiges Bau­denk­mal von erhabener Schön­heit und über­re­gio­na­ler, kul­tur­ge­wich­ten­der Bedeutung - im ge­schicht­sträch­ti­gen Pfaf­fen­win­kel.  

Lt. Aussage des Kunsthistorikers Pater Prof. P. DDr. Leo Weber aus dem Kloster Benediktbeuern handelt es sich bei diesem Objekt um einen bürgerlich-humanistischen, religiös-christlichen Kunst-Wohn-Palazzo in deutsch-russischer Art.

Im Jahr 197­0 wurde ­der Freskenhof­ von den ­Restaura­to­ren Toni ­und­ Renate­ Mack vier Tage vor de­m ­gepl­an­ten Abr­iß, mit geringem E­igen­ka­pi­tal er­wo­rben und somit für di­e Nach­we­lt ge­ret­tet.         

Aus­sen bot sich dem Betrachter bis zum Jahr 2011 der Anblick star­ker Ver­wit­te­rung - trotzdem machte das Objekt ei­nen do­mi­nan­ten Eindruck. Anläßlich des 250. Bestehens des Objektes wurden die Fassadenbemalungen weitgehend restauriert und rekonstruiert. Seit dem Jahr 2012 zeigt sich nun das Objekt in der einstigen Aussagekraft. Die Smalte-blauen Fenster sind in ihrer Intensität eine echte Besonderheit. Die rei­che F­assadenbe­ma­lung d­es ­Ge­samt-Ob­jek­tes mit ih­rer qualitätvoll aus­ge­führ­ten ba­ro­cken Schein­ar­chi­tek­tur stellt zu­dem das ein­zig er­hal­te­ne Werk des Fres­kan­ten Frans Höck dar. In der ge­schnitz­ten Ober­lich­te des Haupt­ein­gangs ist die Jah­res­zahl 1762 deut­lich les­bar.  Die fres­ka­le Ge­stal­tung über dem por­talar­tig ge­mal­ten Haupt­ein­gang ist 1771 da­tiert und zeigt in fei­ner Ro­ko­ko-Ma­nier Dar­stel­lun­gen des Hl. Jo­sefs, Hl.Johannes, Ma­ria Im­ma­cu­lata und der Hl. Ot­ti­lie/Lu­cia.

An der Ein­rah­mung der Gie­bel-Fas­sa­de läßt sich noch ab­le­sen, daß das Ob­jekt ur­sprüng­lich in 20° Dach­nei­gung er­baut und bei Re­no­vie­rungs­maß­nah­men 1898 auf 34° er­höht wur­de.

An der Stra­ßen­sei­te ist zent­ral eine gro­ße Kreuz­dar­stel­lung mit der sog. "Murnau­er Mut­ter­got­tes" mit den 7 Schwer­tern (7 Lei­den Ma­ri­ens) und Brokat-bestick­tem Man­tel kunst­voll dar­ge­stellt.            

Be­son­ders die qua­li­tativ wertvolle, herr­schaft­li­che In­nen-Aus­stat­tung des Bau­denk­mals ver­setzt in Er­stau­nen, u.a. durch die groß­zü­gi­ge Raumauf­tei­lung im Inne­ren. Alle Räu­me sind im Zeit­geist des Ro­ko­ko mit variationsreich gestaltetem Stuck ver­ziert, das Mo­bi­li­ar ist in die Wän­de ein­ge­baut, alle Tü­ren (in fei­nen Smal­te-Blau-Tö­nen) sind beid­sei­tig mit Sze­nen aus dem Le­ben der Er­bau­er be­malt, kunst­voll mo­del­lier­te Fay­ence-Öfen in sel­te­ner schwarz-braun-Gla­sur do­mi­nie­ren die Wohn­be­rei­che im OG.
Zum er­sten Stock ge­langt man über eine dop­pel­läu­fi­ge, vir­tu­os-mar­mo­rier­te Trep­pe mit fein ge­form­ten Ba­lu­stern. Im Trep­pen­haus do­mi­niert ein wand­fül­len­des Fres­ko mit dem The­ma der Ma­ria Heim­su­chung. Es wird um­rahmt von ei­nem groß­for­ma­ti­gen Hin­ter­glas-Kreuz­weg. Da­hin­ter ver­birgt sich eine mit sehr ed­len Ex­po­na­ten aus­ge­stat­te­te Haus­ka­pel­le, die die Re­stau­ra­to­ren-Fa­mi­lie nach und nach wie­der komplettieren möch­te

Er­baut wur­de das Ob­jekt von Jo­sef Dichtl, Kaufmann und Groß­ban­kier am Hofe der Za­rin Ka­tha­ri­na der Gro­ßen (III.) zu Mos­kau-Pe­ters­burg und sei­ner Frau Ele­o­no­ra Fran­cai­se, eine geb. Chanard/Süd­frank­reich.         

Die Hau­sin­schrift-Ta­fel auf der Stra­ßen­sei­te wie auch die Mar­mor-In­schrift­ta­feln auf dem Pfarr­hof und dem ehe­ma­li­gen Schul­haus (heu­te Rat­haus) be­legt die­se Aus­sa­gen. U.a. wird dar­auf 1789 als das Ster­be­jahr Ele­o­no­ras ver­merkt. Jo­sef ver­starb in Pe­ters­burg und ist dort be­er­digt. Auf ei­nem Ge­denk-Grab­stein auf dem Fried­hof der Kir­che St.Martin in Obe­reglfing sind die Dichtls zu­sam­men mit den Fa­mi­li­en Schropp-Schau­er-Da­ser-Bier­ling auf­ge­führt, die im 18. Jh. eben­falls rege Han­dels­be­zie­hun­gen mit Russ­land führ­ten. Die Dichtls wa­ren da­bei wohl am er­folg­reich­sten.

Da das Ehe­paar kei­ne Nach­kom­men hat­te, ban­den Sie ihr Ver­mö­gen in Stif­tun­gen und wohl­tä­ti­ge Pro­jek­te. So wur­de u.a. der Neu­bau des Pfarr­hofs mit fi­nan­ziert sowie die Kir­chen-Ausstattung. Man rich­te­te eine Ar­men­spei­sung ein, ließ ein Schul­haus bau­en, ver­band da­mit eine so­li­de Stif­tung (3000 Gul­den!), stell­te ei­nen hoch qua­li­fi­zier­ten Leh­rer ein, den Ele­o­no­ra vom Hofe der Prin­zes­sin ab­warb und ver­gab ein Sti­pen­di­um, das je­des Jahr den 2 be­sten Schü­lern ein Stu­di­um er­mög­lich­te. Die­se Le­bens-Bi­lanz läßt kaum glau­ben, daß Jo­sef einst aus ärm­lich­sten Ver­hält­nis­sen kam und er dies al­les al­lein sei­nem Han­dels-Ge­schick zu ver­danken hatte.         

Loh­nend in vie­ler­lei Hin­sicht ist auch das Um­feld des Fres­ken­ho­fes. Die Ei­gen­tü­mer ha­ben mit Un­ter­stüt­zung des Ver­eins vie­le be­son­de­re Ge­stal­tungs-Ide­en ein­ge­bracht. Hi­sto­ri­sche Pfla­ster­tech­ni­ken, or­ga­ni­sche Ge­län­de­for­men schmie­gen sich in das te­ras­sier­te Hang­grund­stück. Eine erfreuliche Pflan­zen­viel­falt run­det die­ses na­tur­na­he Gar­ten-Er­leb­nis ab, das schon viele Besucher von nah und fern erfreute.